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historisch
Die Kirche St. Stephan in Mainz wurde vom heiligen Willigis (975-1011) als Gebetsstätte des deutschen Reiches begründet. Als Erzbischof von Mainz und Erzkanzler des Reiches wünschte er, dass die Stiftsherren hier in den großen Anliegen des Friedens und der Gerechtigkeit beteten.
Durch die Fenster von Marc Chagall lebt dieses Anliegen in neuer Weise auf. Als Symbole des Friedens sollen sie zur Verständigung und Versöhnung beitragen und zur Liebe zu Gott und den Menschen führen.


grundsätzlich
So scheint St. Stephan von einem „genius loci“ geprägt, der uns auffordert, Lebensbereiche neu zusammenzubringen, die heute eher getrennt gesehen und erlebt werden.
Wie kann das, was unsere Gesellschaft und Lebenswelt bestimmt, mit Religion und Glaube in Verbindung gebracht werden? Wie können einerseits die Eigenwertigkeit und Selbstständigkeit der verschiedenen Lebensräume geachtet, sie aber andererseits in einem ganzheitlichen Weltbild zusammengeführt werden?


heute
Wir haben gelernt, Politik, gesellschaftliche Fragen und Religion zu unterscheiden und auseinander zu halten. Wir merken aber, dass unser freiheitlicher Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann. Das zeigt sich besonders in den Diskussionen um die unbedingte Achtung der Menschenwürde, des Lebens und der Freiheit. Wie zerbrechlich diese Grundwerte sind, davon zeugen Unfriede, Gewalt, Terror im Großen wie im Kleinen.
Christen und alle glaubenden Menschen erleben sich in schweren Situationen verletzlich, doch letztlich nicht ausgeliefert: Sie glauben an die Gegenwart und Führung Gottes in ihrem Leben. Gebet und Vertrauen auf Gott und Engagement in der Welt gehören für sie zusammen.


Die Spuren Gottes suchen
Die Gebetsgottesdienste „Spurensuche in St. Stephan“ suchen Berührungspunkte zwischen Welt und Gott, zwischen dem, was täglich die Medien aus unserem Land und aus aller Welt berichten, und dem, was die Menschen an Werten und Lebenskonzepten miteinander verbindet. Sie wollen eine Brücke schlagen zwischen dem konkreten Lebensalltag und dem Glauben, dass Gott diesem Leben Sinn und Halt schenkt.


Lebensräume verbinden
Was geschieht, wenn Glaube und Politik, Wirtschaft, Kunst oder Sport - eben Gott und die Welt - einander begegnen?
Wir laden Menschen ein, die in diesen Lebensräumen eine wichtige Rolle spielen und fragen sie:
Was bedeutet für Sie, in einen so geschichtsträchtigen Raum wie die Kirche St. Stephan einzutreten?
Was gibt Ihnen persönlich Orientierung und Halt?
Wo finden Sie Gott in Ihrem Lebensraum?
Was bedeutet Gott für Sie?


Wirklichkeit im Gebet aussprechen
Als Menschen auf der Suche wollen wir Lebensräume im Gebet miteinander verbinden. Wir wollen unsere Welt nicht als Spielball von Interessen verstehen, sondern als Raum, der gepflegt, bewahrt und von einer Kultur der Liebe, des Friedens und der Gerechtigkeit geprägt werden soll.
Das Gebet verdeutlicht: Wir wissen uns miteinander und mit Gott verbunden und sind für die Gestaltung unserer Welt vor Gott verantwortlich.